Die Basler Eule

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Gedanken in meinem Kopf

Anouk Heuss und Julie Plavsic

Publiziert am 8. Oktober 2025

Morgens vor dem Spiegel. Der Rock zu kurz? Das Shirt zu eng? Zu betont. Was wenn ich damit falsche Signale sende? Gehe ich ein Risiko ein?

Es ist heiss. Der Schweiss tropft von meiner Stirn, aber ich entscheid mich doch für die langen Shorts. Einfach aus Angst einen Blick zu kassieren.

Blicke bekomme ich trotzdem. Trotz der Shorts. Trotz des lockeren T-Shirts. Blicke bekomme ich trotzdem, egal was ich anhabe. Ein unwohles Bauchgefühl.

Andere verstehen es nicht. Ist doch nur ein Blick. Der hat dich doch nur angeschaut.

Bin ich jetzt schuld? Interpretiere ich Blicke falsch? Warum fühlt es sich trotzdem unangenehm an? Warum habe ich trotzdem einen Knoten im Bauch? Warum fühle ich mich trotzdem gedemütigt, fast eklig.

Ich versuche mit Menschen darüber zu reden. Man hört mir zwar zu, aber ich habe nicht das Gefühl gehört zu werden.

Sie sagen: «Ja, es ist unfair, aber so ist nun mal das Leben.» Aber so sollte es doch genau nicht sein!

Ich habe mir nicht ausgesucht, eine Frau zu sein! Doch ich soll es einfach so akzeptieren?!

Es wird nicht hinterfragt. Selbst ich habe es nicht hinterfragt, warum ich mit 13 Jahren einen Selbstverteidigungskurs besuche. Mit 13 Jahren. Als Kind. Während Jungs in meinem Alter sich nicht mal den leisesten Gedanken dazu machen. Weil Jungs in meinem Alter nicht beigebracht wird, wie man respektvoll mit Mädchen umzugehen hat.

Weil ich die bin, die sich potenziell schützen muss. Wehren muss. Und ja, das macht man halt so als Frau. Das gehört einfach dazu.

Und wenn ich mal offen zugebe, grundsätzlich eine gewisse Angst vor Männern zu haben, wird es auch nicht verstanden. Es kommt immer die gleiche Antwort.

Aber es sind nicht alle Männer. Es gibt auch gute Männer.

Ja, gute Männer. Männer, die nicht gewalttätig sind. Männer, die andere Menschen nicht belästigen. Männer, die ein NEIN akzeptieren, egal was der Grund ist. Auch wenn es keinen gibt. Männer, die emotional verfügbar sind. Männer, die auch im Haushalt arbeiten. Etwas das von Frauen täglich erwartet wird. Wofür Frauen nicht mal den kleinsten Teil Anerkennung bekommen. Männer, die einfach das BARE-MINIMUM machen sind also «gute» Männer.

Und ja, ich weiss es gibt eben diese guten Männer, aber das Problem ist: Es sind IMMER Männer.

Auf der Strasse erkenne ich nicht, welcher gut ist, welcher mich vielleicht dumm anschauen wird.

Es sind Männergruppen, bei welchen ich nervös fast ängstlich werde, schwitzige Hände bekomme und ich automatisch schneller werde, wenn ich an ihnen vorbei gehen muss.

Ist es nur mein Kopf. Jein. Natürlich kann ich mir auch was vorspielen, wenn ein Mann für ein paar Strassen hinter mir läuft, weil vielleicht muss er ja wirklich denselben Weg gehen. Aber es ist nicht meine Schuld, dass ich so ein mulmiges Gefühl bekomme und die Strassenseite wechsle.

Früher war es nur ein Gefühl von Angst. Jetzt ist es auch Wut und Trauer.

Ich habe mir nicht ausgesucht eine Frau zu sein!

Ich will im Sommer ohne Bedenken einen Rock anziehen. Ich will im Club nicht meine Handfläche über meinem Becher halten müssen und ich möchte auch in der Nacht, wenn es dunkel ist, alleine nach Hause kommen können, ohne Fahrrad. So wie es Männer können.

Ich möchte nicht auf meine Freiheit verzichten, aber das tue ich trotzdem, denn das Risiko verletzt zu werden, ist einfach zu gross.

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