Kalt, eisig und hoch
Fühle meine Beine nicht
Weiss steigt der Atem
Die Berge sind still
Rot und dick trieft es herab
Rauschen betäubend
Wie Zuckerglasur
Läuft es an mir herunter
Tiefrot, klebrig, kalt
Klippen hoch und scharf
Viele Tote liegen hier
Fast schlafend, sinnlich
Ihre Gesichter
Was hab ich hier verloren
Lieblich, kalt, gefroren
Reue, wer hat sie nicht
Verletzen, vermasseln, verpassen, vergessen
Alles konnte man verhindern
War es wirklich meine Schuld,
Deine?
Fragen über Fragen,
Reue über Reue
Zeit kann man nicht ungeschehen machen
Genauso wenig Erlebnisse
Büssen kann man aber
Kann man ohne Reue
Sterben
Leben
Tun
Sind sie nicht Teil des Erlebnisses
Du warst neu, naiv, jung
Dies an einem Ort der Bildung
Du warst ein hübsches Mädchen
In unserem kleinen Städtchen
So unglaublich nett
Du hattest doch sicher was zum verbergen
Also war da eine kleine Wett
Du kannst das doch wegstecken
Zuerst ein kleines Rendezvous
Dann ein kleiner Kuss
Nun, zu deinem Verdruss
War dies dann tous
Erstens
Ich musste aufarbeiten
Also sagte ich
Schule! Isses
Erstens
Zweitens
Damals, wo konnte ich anfangen
Also sagte ich
Schauen wir doch mal
Zweitens
Drittens
Allein muss ich sein
Sonst wird er, sie, … es
Wie Porzellan
Drittens
Crack, wie Porzellan
Es krachte und splitterte
Die weissen Flecken, die scharfen Kanten
Blau und rot färbte es
Kind das kannste besser
Sagte er, sie, wir
Ich ertrinke, Hilfe
Bitte, jemand höre doch auf mich
Kind das ist unmöglich
Das würde er nie tun
Der Verband leuchtete, wie heilig
Und sie riefen michHeul doch nicht
Heul doch nicht
Du lebst ja noch
Warum weine ich
Das ist ja, was ich wollte
Du lebst ja noch
Warum suche ich
Nach einer Ausrede
Heul doch nicht
Du lebst ja noch
Aus meinen Gedanken mit Dir
Weg von Mir
Wieso, Weshalb, Warum
Wer sowas fragt, ist dumm
Woher ich das weiss
Von der Hand wische ich den Schweiss
Ha, hast dus schon gehört
Sagte ich was, völlig empört
Mein Gott, hiess es, ich bin verstört
Un du? Du warst am Boden zerstört
Nass waren unsere Fratzen
Meins von Tränen, deins von Wasser
Geächzt hast du unter den Schwatzen
Es sagt ja keiner, es geht nicht krasser
Mama, Mama
Wo bist du
Komm doch zurück
Ich vermisse dich
Papa meinte
Du hast uns verlassen
Bist an einem anderen Ort
Verreist, langeher glaubte ich das
Würdest über uns wachen
Und eines Tages, an einem hellen Ort
Würden wir uns wieder treffen
Ein heller Ort, höre jedoch ächzen, stöhnen?
Und so ging es
Sehr, sehr lange
Hatte mich schon gefragt
Wann tust dus
Ich, er, sie, es
Wir, sie
Lachte, lachten
Das war doch alles ein Witz,
Oder?
Standest am Rand, an der Kante
Gestossen hatten wir dich
Nach unten ein Blick, einer nach oben
Das Knacken, Krachen, über den ganzen Schulhof
Jetzt heisst es immer
Heldin, zu viel, die Arme
Wie konnte das nur passieren
Nie mehr Angsthase
Gott, bin ich müde
Wird schwächer, das Tageslicht
Das wars wohl, jetzt, oder?
Mit schweren Augen
Aber es ist noch so viel tun
Herr der Zeit nicht bin
Akzeptanz, ein Schritt
Was getan ist, ist getan
Manchmal ist es so
Schliesse die Augen
Taub und Stumpf stürzt auf mich ein
Schwäche, Bedauern
Einsam und allein
Irgendwo im Nirgendwo
Lag im roten Schnee
~ Tote Menschen bekommen mehr Blumen als lebende
Da Reue stärker als die Dankbarkeit ist ~
Geliebte, Tochter und Freundin,
Zu früh von uns gegangen
Mein Atem waberte in weiss-grauen Rauchwolken in den Himmel, Was würde sie wohl sagen?
Sie hatte es immer gehasst, wenn ich geraucht habe.
Sie hatte vieles gehasst,
anfangs sogar mich.
Ob sie mich wirklich gehasst hatte,
oder da einfach Eifersucht aus ihr sprach,
war eine andere Frage.
Aber gehasst hat sie vieles:
Rauchen, Junkies, Faulenzen, Drogen, die Polizei,
Spargel, Rahmspinat, Vergesslichkeit, …
Ich seufzte, und löschte meine Zigarette, schaute gen Himmel hinauf,
man respektiert die Toten.
Was würde sie wohl sagen?
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