Die Basler Eule

Kinder und Jugendliche schreiben
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Poet Tree Projekt
08.10.2025
Poet Tree
Publikation
Ileana Huber
30.06.2025
Hier und jetzt
Gedicht
Nina Gauck
30.04.2025
Schiebetür
Gedicht
Channa Kirschke
28.04.2025
Nachdenklichkeit
Gedicht
Sára Obmascikova
19.04.2025
Tik tak
Gedicht
Mio Ikezawa
14.04.2025
Die Letzten Stunden
Gedicht
Freda Wootton
09.04.2025
Einsamkeit
Gedicht
Louisa Sailer
04.04.2025
Eine liebe Erzählstimme
Gedicht
Ana-Iris Rapp
20.02.2024
Pause von Angst!
Geschichte
Channa Kirschke
20.02.2024
PausenAngst
Gedicht
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Warum springen Wale aus dem Wasser 
Geschichte
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31.10.2023
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Geschichte
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06.09.2023
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05.09.2023
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09.08.2023
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Geschichte
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Kindheitsträume in Buchstaben: Der Anfang einer langen Reise
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09.08.2023
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09.08.2023
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09.08.2023
5 Texte über Geschichten, das Schreiben und Lesen und über die süsse Jugend
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07.08.2023
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07.08.2023
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Gedicht

Gemeinsam eine Fantasiewelt erschaffen

Thomas Brückner

Publiziert am 22. Juni 2026

Ein Gespräch über gemeinsame Erzählwelten, Improvisation und die Kraft des Geschichten-Erfindens zwischen Elternteil nd Kind.

Was als abendliches Ritual begann, entwickelte sich über die Jahre zu einer vielschichtigen Fantasiewelt – und schliesslich zu einem Kinderbuch: Die Zaubernacht auf der Alp. Im Gespräch berichtet der Autor Thomas Brückner von diesem Prozess.

 

Die Basler Eule: Hallo Thomas! Du hast das Kinderbuch Die Zaubernacht auf der Alp gemeinsam mit deiner Tochter erfunden. Kannst du uns mehr über die Entstehung des Projekts erzählen?

Thomas Brückner: Es begann im Jahr 2020 , als meine Tochter gut zwei Jahre alt war, mit Geschichten, die ich ihr erzählt habe – manchmal vor dem Einschlafen, manchmal auch unterwegs, etwa bei Autofahrten oder Wartezeiten. Die Idee war am Anfang gar kein Kinderbuch.

Sehr früh tauchte der Gedanke des Fliegens auf – etwas, das für Kinder und Erwachsene faszinierend ist. Daraus entstand eine Erzählwelt mit Figuren, die sich nach und nach weiterentwickelt hat. Vieles kam direkt aus unserem Alltag: Eine Figur hiess etwa Martine, wie eine Kassiererin aus dem Laden bei uns in der Nähe. So wurde aus Alltäglichem etwas Spielerisches.

Über etwa drei Jahre hinweg haben wir mündlich immer neue Geschichten erfunden. Die Vielfalt der Figuren ist dabei stetig gewachsen.

Die Basler Eule: Welche Rolle spielte deine Tochter beim Erzählen – eher als Zuhörerin oder als aktive Mitgestalterin der Geschichten?

Thomas Brückner: Wir haben am Anfang viele Geschichten entwickelt, in denen ich ihr etwas von der Vielfalt unserer Welt zeigen wollte. Oft haben wir Orte aufgegriffen, die ich kannte und die ich ihr auf diese Weise näherbringen wollte – ohne dass das im Voraus festgelegt gewesen wäre.

Ihre Oma, meine Mutter, kommt aus Norddeutschland. Also sind wir mit Elsa und Martine dorthin „geflogen“ und haben die Heidschnucken und die Nordsee bestaunt. Oder wir waren in Berlin, wo ich studiert habe: Elsa war dort im Bundestag in der Glaskuppel – die dann in der Geschichte einstürzte, weil das Glas sie nicht trug. In Wien wiederum ging es in ein Opernhaus, wo sie plötzlich auf der Bühne landete und unter grossem Beifall mit Bauern im Stück mitspielte.

Mit der Zeit hat meine Tochter immer stärker selbst mitbestimmt. Sie hat oft gesagt, was vorkommen soll und was nicht, und während ich erzählt habe, hat sie reagiert, gelacht oder auch widersprochen, und ich habe ihre Impulse aufgenommen.

Die Figuren blieben dabei im Kern gleich, aber die einzelnen Geschichten entstanden sehr spontan – im Erzählen, im Moment.

So sind über die Zeit viele Geschichten entstanden, improvisiert und aus dem Moment heraus.

Die Basler Eule: Die Nacht spielt eine wichtige Rolle in der Geschichte – Elsa bekommt ja Flügel, wenn sie schläft, und der Zauberzirkel findet im Dunkeln statt. Welche Rolle spielten dabei das Einschlafen und das Träumen im Entstehungsprozess der Geschichten?

Thomas Brückner: Sie spielte eine wichtige Rolle. Manche Geschichten endeten bewusst mit einem Moment der Ruhe. Auch im Buch selbst ist dieser Gedanke geblieben: dass man die Augen schliesst und in eine Traumwelt übergeht.

Die Basler Eule: Die Geschichte spielt auf der Alp. Warum gerade dieser Ort?

Thomas Brückner: Die Berge sind für uns ein Sehnsuchtsort. Wir lieben die Natur sehr.

Die Alp bot sich an, weil sie Heimeliges und Unheimliches verbindet. Das Unheimliche birgt für uns alle Spannung. In unseren frühen Spielen tauchten unheimliche Figuren aus der Schweizer Sagenwelt auf, Wald- und Naturgeister. Daraus entwickelten sich später die „Zomen“. Der Name entstand bewusst: „Zoon“ als griechisches Wort für Lebewesen, kombiniert mit einer Endung, die weder eindeutig weiblich noch männlich ist und etwas an Gnomen erinnert.

Die Basler Eule: Du hast den Entstehungsprozess in mehrere Phasen unterteilt. Wie sah das genau aus?

Thomas Brückner: Rückblickend gab es drei Phasen. Die erste war die Erfindungsphase: Meine Tochter und ich haben gemeinsam mündlich Geschichten entwickelt. Am Ende dieser Phase entstand der Wunsch, diese Welt festzuhalten, damit sie nicht verloren geht, wenn wir uns anderem im Erzählen zuwenden. Es war der Übergang von einer geteilten Fantasiewelt hin zum Wunsch, etwas Flüchtiges zu bannen.

Die zweite Phase war die Suche, das Vorgestellte in Bilder zu übersetzen. Mit Leila Merkofer fand ich eine Illustratorin, die ebenso kunstvoll arbeitete wie eine Nähe zu schaffen zu unseren Bildern. Das war ein Glücksfall. Ich habe ein Storyboard erstellt und Szenen strukturiert. In vielen gemeinsamen Abstimmungs-Runden zwischen Text und Bild wurden Skizzen zu Illustrationen und der Text fand zur Geschichte. Meine Tochter hat Zeichnungen beurteilt und Rückmeldungen gegeben, was sie gut findet oder sich anders vorstellt.

Die dritte Phase ist nun das fertige Buch: Es ist ein sichtbares Objekt geworden, es ist nun eine geteilte Geschichte und für andere Kinder und Eltern verfügbar. Das ist eine neue Art von Beziehung zu dieser Geschichte.

Die Basler Eule: Welche Bedeutung hat gemeinsames Geschichtenerfinden für die Entwicklung eines Kindes?

Thomas Brückner: Eine grosse! Erzählen ist etwas Urmenschliches. Bei der erfunden Geschichten geht es um Improvisation, Kreativität und Vertrauen darauf, dass eigene Ideen wertvoll sind. Kinder erleben Selbstwirksamkeit.

Gleichzeitig entsteht durch wiederkehrende Figuren eine Art innere Sicherheit. Eine gemeinsam gefundene Welt und wächst stabil über die Zeit, Kinder erleben, wie sie diese Welt selbst gestalten können – und dass sie nicht festgelegt ist.

Die Basler Eule: Hast du einen Ratschlag für Eltern, die selbst Geschichten mit ihren Kindern entwickeln möchten?

Thomas Brückner: Das spielerische Entwickeln von Gedanken ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Es vereint Selbstwirksamkeit, Stimulanz und Verbundenheit. Für die Eltern-Kind-Beziehung ein wahrer Zaubertrank.

Alles, was aus uns selbst entspringt, wirkt verbindend. Das mag bei mir und meiner Tochter eine Geschichte und am Ende des Prozesses ein Buch sein, andere erfinden Spiele oder bauen gemeinsam ein Schiff. .

Die Authentizität macht diesen kreativen Prozess so wertvoll und einzigartig, der ohnehin Offenheit und Neugier voraussetzt  Geschichten erfinden und ein Kinderbuch machen sind zwei verschiedene Dinge. Man sollte keine Angst vor der „Grösse“ eines solchen Projekts haben. Ein Kinderbuch oder eine Sammlung von Geschichten wirkt am Anfang vielleicht wie ein grosser Berg, aber in Wirklichkeit ist es eher ein Weg aus vielen kleinen Etappen. Langsames Entstehen ist ein schöner Kontrapunkt zu einer schnelllebigen und flüchtigen Zeit.

 

Die Basler Eule: Welche langfristige Wirkung kann so ein gemeinsames Projekt haben?

Thomas Brückner: Kinder lernen durch Beobachtung. Karl Valentin sagte in etwa  Erziehung sei zwecklos, die Kinder machen einem ja doch alles nach. Wenn sie sehen, dass Geschichten Erzählen und Aufschreiben  im Alltag eine Rolle spielen, wird für sie das Spiel mit Worten und Erschaffen von Vorstellungen selbstverständlich. Entscheidend ist für uns alle, zu erleben dass Vorstellungskraft eine Bedeutung hat..

Die Basler Eule: Gibt es etwas, das dir am Ende noch wichtig ist zu sagen?

Thomas Brückner: Vielleicht das: Wir dürfen uns in Zeiten realer Informationsflut und gefühlter Verunsicherung mehr Räume für spielerisches Denken und Erzählen nehmen.

 

Herzlichen Dank, lieber Thomas. Das Buch kann auf der Webseite des Baeschlin Verlags bestellt werden.

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